Zur Geschichte des Yacht Club Horgen

Quellennachweis:

  • Jubiläumsschrift "50 Jahre Yacht Club Horgen"
  • mit Auszug aus und gemäss dem Buch "Erinnerungen" von Alex Kuhn

Vorbemerkung

Obwohl bereits im Jahr 1835 das erste Dampfschiff, die Minerva, am Zürichsee vom Stapel gelassen wurde, transportierten noch bis gegen Ende des Jahrhunderts Schiffe unter Segeln Güter auf dem Seeweg. Bis dahin war Segeln als Sport oder zum Vergnügen auf dem Zürichsee kaum ein Thema. Anders in England und den Niederlanden, wo bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts bei Hofe und von wohlhabenden Geschäftsleuten gesegelt wurde. 1720 wurde in Cork der erste Yachtclub gegründet und im Jahr 1749 startete der Prince of Wales die erste Regatta, bei der es um einen Pokal ging.

Im Jahr 1900 wurden auf der Seine und vor Le Havre die ersten olympischen Wettkämpfe in sieben verschiedenen Tonner-Klassen durchgeführt. Damit sind wir zeitlich an dem Punkt, wo man auch auf dem Zürichsee das Segeln zum Zeitvertreib und Vergnügen entdeckte. Im Jahr 1885 wurde der Zürcher Segelclub gegründet, dieser dann jedoch vermutlich wegen club-internen Querelen im Jahr 1901 wieder aufgelöst. Ein Jahr später erfolgte die Gründung des Yachtclub Zürich. Er ist damit der älteste Club am Zürichsee, der sich dem Segelsport verschrieben hat. Zu dieser Zeit war Segeln wohl noch ein eher elitäres und exklusives Vergnügen. Bis zum Jahr der YCH-Gründung im Jahr 1968 hatte sich jedoch die Szene stark verändert. Der wirtschaftliche Aufschwung sowie Einheitsklassen mit vielen in Serie gefertigten Booten machten die Boote erschwinglich und ebneten den Weg zum Breitensport.

Die Gründung des YCH

Wieso gibt es überhaupt den Yachtclub Horgen? Diese Frage lässt sich eigentlich recht einfach beantworten. Unserem Ehrenmitglied Alex Kuhn kam vor etwas mehr als 50 Jahren der Gedanke, man könnte doch in Horgen einen Segelclub gründen.

Er hoffte, seinen Freund Mani Wolf, der zu dieser Zeit Mitglied bei der Segler-Vereinigung Thalwil war, für seine Idee gewinnen und mit ihm einen ersten Schritt zur Clubgründung gehen zu können. Erwähnenswert ist, dass beide eine «National One Design» segelten und aus dieser Gemeinsamkeit eine tiefe Freundschaft entstanden war.

Es brauchte trotz allem etwas Hartnäckigkeit, um seinen Freund davon zu überzeugen, dass es neben den bereits bestehenden 6 Segel- und Yachtclubs am Zürichsee durchaus noch Platz für einen weiteren attraktiven Club haben würde.

Diese Geschichte über die Gründung des YCH hat Alex Kuhn in seinem Buch «Erinnerungen» niedergeschrieben. Blättern wir darin bis zur Stelle, wo sich die beiden Freunde einig werden einen Segelclub gründen zu wollen, erfahren wir dann beim Weiterlesen wie sie dieses Projekt anpackten und den YCH auf die Beine stellten.

Auszüge aus dem Buch "Erinnerungen" von Alex Kuhn

Alex Kuhn konnte für das Vorhaben seinen Segelgefährten Mani Wolf gewinnen. Die beiden kamen schnell zur Übereinstimmung, dass das Projekt "Segel-Verein" zu zweit kaum realisiert werden kann. Es musste zur Gründung ein Aktionskomitee gebildet werden. Dazu konnten Ruedi Schwarz, Alfred Bärtschi, und Ferdi Willi gewonnen werden. 

Während langer Abende diskutierten die fünf Initianten in einem stillen Winkel eines Restaurants über Form und Charakter eines künftigen Clubs. Es soll kein elitärer Club werden, er soll aber dennoch ein gewisses Niveau haben. Preise und Konditionen sollen tragbar sein, was in gewissem Sinn doch ein Spagat darstellte. Grosses Gewicht soll auf die Pflege des Tourensegelns, auf frohe seglerische Geselligkeit, aber auch auf das Regatieren gelegt werden. Auch der jugendliche Seglernachwuchs soll nicht vergessen gehen. Er soll animiert und gefördert werden. Die 5 Initianten setzten sich also recht ambitiöse Ziele.

Alex Kuhn arbeitete einen Statutenentwurf aus, welcher eine einfache und solide Struktur, aber auch Flexibilität gewährlisten sollte. Für das «Kind» soll ein einprägsamer Name gefunden werden, ein Name, dessen Kürzel aber nicht schon bei anderen Clubs existierte. Segelclub Horgen kam damit schon mal nicht in Frage, da das Kürzel «SCH» mehrfach schon verwendet wurde. Schlussendlich einigte man sich auf «Yacht Club Horgen» als Vereinsname.

Für das Jahresprogramm inspirierte man sich bei der Thalwiler Seglervereinigung, wo Mani Wolf noch Mitglied war. So entstand ein Programm, dass in den wesentlichen Zügen auch heute noch bestand hat: Saisonbeginn mit Ansegeln, Pfingstkreuzfahrt zum Obersee, Sommerkreuzfahrt, Sternfahrt, Absegeln, Männerfahrt nach Rapperswil, Silvesteranlass.

Die Frage für eine Vereinsgründung war nun noch, wie man an die interessierten Segler herankomme. Ein Inserat im «Anzeiger des Bezirks Horgen» sollte dazu genügen.

Die Gründung am 17. Dezember 1968

Nicht schlecht staunten die 5 Initianten, als eine Woche vor Weihnachten – Am Abend des 17. Dezember 1968 – sich der kleine Saal im «Gehren» bis fast auf den letzten Platz füllte. Rund 40 interessierte Segler hatten sich eingefunden.

Souverän leitete Man Wolf die Veranstaltung. Alex Kuhn informierte über organisatorische und statuarische Fragen, Fred Bärtschi legt ein provisorisches Budget vor. Ein Jahresbeitrag von Fr. 40.— sollte ausreichend sein. Es gab einige engagierte und positive Wortmeldungen, aber keine kritischen Einwände.  

Gegen halb zehn Uhr abends kam der grosse Moment. Über 30 der Anwesenden schreiben sich als Gründungsmitglieder in der aufgelegten Liste ein. Der Gründungsbeschluss wurde gefasst, die Statuten wurden genehmigt, das Budge verabschiedet und die Organe gewählt. Der «Gehren» wurde gleich zum provisorischen Clublokal erhoben.

In den folgenden Tagen traten weitere Mitglieder dem jungen YCH bei. Das per 31. Dezember 1968 abgeschlossene Mitgliederverzeichnis wies immerhin 43 Aktiv- und ein Passivmitglied aus.

(Protokoll der Gründungsversammlung siehe Seite 13 und 14 in erwähntem Jahrheft)

Das erste Clublokal 

1969 konnte ein Clubzimmer in der Villa Seerose feierlich eingeweiht werden. Damit erhielt der YCH ein eigenes Lokal für seine Anlässe und Stammabende.

In einem nächsten Schritt baute man einen Anlegesteg vor der Seerose, verschönerte und erweiterte zusammen mit dem Seerettungsdienst die Clublokalitäten. Im Mai 1971 erfolgte dann die offizielle Einweihung der neuen Clubräume und der Steganlage.

Diese Aktivitäten zeigen einerseits den Enthusiasmus, mit dem die Akteure und Akteurinnen den YCH vorwärtstrieben und anderseits das Entgegenkommen und Wohlwollen der Gemeinde Horgen als Besitzerin der in den Jahren 1902 bis 1904 vom Seidenindustriellen Jacques Huber gebauten Villa. 

Die Seerose diente nicht nur als Clublokal, sondern auch als Bootswerft. Im Herbst 1969 wurden unter der Leitung von Hans Lackner fünf Boote der Klasse Optimist auf Kiel gelegt. Bereits am 14. Juni 1971 erfolgte mit einem grossen Fest deren Taufe. Es ist offensichtlich, dass der YCH in der ersten Zeit mit all seinen Aktivitäten die Mitglieder schon etwas strapazierte. Der Jahresbericht des Präsidenten im Jahrbuch 1971 endet denn auch mit der vielsagenden Feststellung: «Mit der bevorstehenden Fertigstellung des Anlegesteges dürften unsere Bauarbeiten nun für einige Zeit abgeschlossen sein. Im Jahr 1971 wollen wir – ohne die gesellschaftlichen Anlässe zu vernachlässigen – den sportlichen Aufgaben unseren verstärkten Einsatz widmen».

Es folgten nun einige beschauliche und ungetrübt verlaufende Jahre auf dem See und in den Clubräumen der Seerose. Doch es gab Anzeichen, dass die unbeschwerte Zeit ihrem Ende entgegengehen könnte. So wurde der YCH im Jahr 1977 von der Meldung aufgeschreckt, dass die Gemeinde Horgen beabsichtige, die Villa zu renovieren. Man befürchtete, dass das intime Clubleben im Falle einer Neugestaltung nicht mehr im gewohnten Rahmen möglich wäre. Die mit hohen Kosten verbundene Renovation erhielt zwar im ersten Anlauf an der Gemeindeversammlung eine Abfuhr, dieses Ergebnis vermochte jedoch den YCH-Vorstand nicht nachhaltig zu beruhigen.

Wie zu erwarten war, stimmten die Horgner in einem zweiten Anlauf der etappenweisen Renovation der Seerose zu. Gerüchteweise hiess es, dass der YCH und der Seerettungsdienst im Untergeschoss eine neue Bleibe erhalten könnten. Die Ärgernisse während der ersten Renovationsarbeiten, die zu erwartende rigorosere Hausordnung und die etwas vagen Zusicherungen der Behörden bestärkten den Vorstand darin, die Suche nach einem eigenen Clubhaus zu intensivieren.

Das Clubhaus 

In den Jahren 1875/76 wurde am See in Käpfnach eine Zementfabrik als Nebenbetrieb des Bergwerks gebaut. Infolge der Wirtschaftskrise stellte man 1934 die Produktion ein. Etwa zwanzig Jahre später erfolgte der Abriss der meisten Gebäude, nur das Gebäude mit den Brennöfen und den zwei markanten Kaminen blieb auf Zusehen hin stehen.

Vom Winterlager zum Clubhaus

Einige Horgner Wassersportler, darunter auch zwei Mitglieder des YCH, konnten sich ab 1968 im Gebäude einmieten. Der angebaute Schuppen diente als Winterlager. Ein nie gefasster Brandstifter zündete im Winter 1974 eines der eingelagerten Boote an. Nur mit Glück konnte das Ausbreiten des Feuers verhindert und somit die «Zementi» vor der Zerstörung gerettet werden. Als im Frühjahr 1979 bekannt wurde, dass die alte Zementfabrik im Hirsacker möglicherweise zu haben wäre, nahmen der Präsident und sein Vize Kontakt mit dem damaligen Besitzer auf. Sie mussten dann jedoch zur Kenntnis nehmen, dass das Objekt bereits einem Bootsbauer zugesprochen worden war.

Anfangs 1980 erfuhr man, dass die Behörden eine Umnutzung des Geländes abgelehnt hatten. Auf das hin nahmen die beiden höchstchargierten des Clubs die Gespräche mit dem Besitzer wieder auf. Unter der Bedingung, dass der Club hier ein segelsportliches Zentrum ohne spekulative Absichten betreibe, erhielt der YCH den Zuschlag. Um keine Zeit zu verlieren, stellte der Vorstand eine Arbeitsgruppe zusammen und beauftragte diese mit der Ausarbeitung eines Projektes für den Umbau und mit der Aufstellung eines Budgets. Erste Untersuchungen ergaben, dass sich das Haus in einem recht guten Zustand befand. Für Anlegestege, eine Slipanlage und Trockenplätze wäre das Areal ebenfalls gut geeignet. Negativ beurteilt wurde allein der steil abfallende Seegrund, der die Erstellung eines Bojenfeldes oder eines clubeigenen (!) Hafens vereiteln könnte.

Projekt wird Mitgliedern vorgestellt

Am 5. Mai 1980 stellte der Vorstand das noch wenig detaillierte Projekt den Mitgliedern vor. Besonders die hohe finanzielle Belastung von gegen 500‘000.– Franken schreckte die Anwesenden davon ab, sofort ja zu sagen. Eine grosse Mehrheit sprach sich jedoch für weitere Abklärungen aus, wobei die Kosten 350‘000.– Fr. nicht übersteigen sollten. Zudem wurde eine weitere Arbeitsgruppe beauftragt als Alternative den Ausbau der Räume in der Villa Seerose auszuarbeiten. Die Resultate wurden in einer Dokumentation von 17 Seiten den Mitgliedern vorgelegt und an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 17. November 1980 zur Abstimmung gebracht. In einer geheimen Abstimmung wurde mit 36 Ja-Stimmen entschieden, die «Zementi» zu erwerben und in mehreren Etappen zum Clubhaus umzubauen. Für die Alternative «Seerose» stimmten 16 Mitglieder. Da mit diesem Entscheid ein ansehnliches finanzielles Engagement der Mitglieder verbunden war, befürchtete man viele Austritte. Aus den Mitgliederbewegungen während dieser Zeit kann man feststellen, dass diese Bedenken unbegründet waren.

Viel Fronarbeit

Die nun anstehenden Fronarbeiten hatten einschneidende Auswirkungen auf das Clubleben. Umso bemerkenswerter ist, dass bei den Jahresprogrammen keine Abstriche gemacht wurden. Bereits am Tag nach der Generalversammlung begann man mit den Umbauarbeiten. Am 27. Juni 1981 feierte der YCH dann die Besitzergreifung des Clubhauses mit einem gelungenen Fest.

1989 musste in der zweiten Etappe die vom Wetter mitgenommene Hausmauer renoviert und in der Folge der Boden des nur im Sommer benutzbaren seeseitigen Raumes betoniert werden. 

Markante Kamine als Kostenpunkt

Immer wieder gab es Diskussionen über Abriss oder Erhalt der Kamine, da deren Instandhaltung sehr kostspielig ist. An der Generalversammlung 1992 entschieden die Mitglieder, die Kamine abzureissen. Da das Gebäude 1991 von der Gemeinde unter Schutz gestellt wurde, stellte sich die Denkmalpflege begreiflicherweise gegen dieses Ansinnen. Also wurden diese beiden markanten Zeitzeugen auf dem Dach belassen. Eingeweihte sagen, dass dank diesem Vorgehen ein Zuschuss der Gemeinde Horgen in Aussicht gestellt wurde.

Bereits in der Ausarbeitung des Projektes im Jahre 1980 wurde eine Variante ohne Kamine entworfen, diese jedoch nicht weiterverfolgt.

Totalsanierung

In den Jahren 1996 bis 1999 nahm man die Totalsanierung des Gebäudes in Angriff. Die Räume wurden winterfest ausgebaut, eine Küche installiert, die sanitären Anlagen mit den Duschen erweitert und die Elektroinstallation auf den neuesten Stand gebracht. Nach diesen umfassenden Arbeiten – die Mitglieder leisteten dabei ca. 6‘000 Stunden Fronarbeit –  präsentiert sich das Clubhaus von aussen so wie wir es heute kennen.

 

 

Bilgenbar als letzte Bauetappe

Als letztes Bauvorhaben wurde der nur den Mitgliedern vorbehaltene Clubraum «Bilgenbar», renoviert und im Frühjahr 2008 eingeweiht. 2017 kamen dann wieder die Kamine an die Reihe. Neu verputzt und frisch gestrichen sind sie ein Denkmal für die bewegte Geschichte der «Zementi».

Kaminsanierung 2017 anlässlich 50-Jahr-Feier

 

Panorama vom Kamingerüst